Denkkunst

Neues Handeln

Krishnamurti hat einmal festgestellt wie eigenartig es sei, dass seine Zuhörer immer von Erleuchtung reden. Und dass sie über das reden, was irgend jemand anders gesagt hat. Doch sie sprechen nicht von sich selbst, nicht von ihrem eigenen Erleben. Diese Menschen fragen sich nicht, wie sie in dieser Welt leben sollen. Oder wollen. Es ist, als sei diese Frage mit einem Tabu belegt.

Es ist interessant und auch bezeichnend, dass uns oft nur in Grenzsituationen bewusst wird, was wir da eigentlich gerade tun. Solche Situationen betrachten wir meist unter drei Gesichtspunkten. Der eine ist, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, was heißt, einfach ‚zu funktionieren‘ und sich keine Fragen zu stellen. Die andere Variante ist die Egovariante, die nach dem Motto handelt ‚mir kann keiner was‘ und halsbrecherisch durch die Kurve fährt. Solche Menschen finden, dass man Wirtschaftlichkeit dadurch erreicht, dass man andere noch ein bisschen mehr auszubeuten versucht. Aber das gelingt nur mit denen, die der Variante eins folgen und die funktionieren.

Die dritte Variante sieht, was ist und sie sieht vor allen Dingen den eigenen Beitrag, das eigene Verhalten und seine Konsequenz. Für sich wie für die anderen. Über etwas nachzudenken und um die ‚eigentliche‘ Notwendigkeit zu wissen ist das eine, das andere ist auch entsprechend zu handeln. Neues Denken kann sich nur in dem realisieren, was wir tun. Und das Richtige auch zu tun befreit unmittelbar, es macht das Leben leicht.

Was wir in der Welt wirklich brauchen ist eine Parallelität neuer institutioneller, individueller und gesellschaftlicher Entwicklungen. In den gegenwärtigen Strategien für das wirtschaftliche, politisch-kulturelle, gesellschaftliche und ökologische Zusammenwirken und Zusammenleben der Menschen dominieren immer noch zentralisierte Machtstrukturen, die wir ablösen sollten und vor allem auch können.

Dabei geht es nicht darum, sich Konzepte für andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Formen des Miteinander auszudenken, sondern sich immer wieder fragen, ob man das, was man tut auch bereit ist, zu verantworten. Es fängt immer bei dem Einzelnen an. Ich kann erst dann sinnvoll mit anderen über Methoden oder Konzepte meiner Arbeit nachdenken, wenn ich selbst überhaupt bereit bin, dem anderen ohne irgendeine Maske gegenüberzutreten.

Neues Handeln fängt sowohl beim Einzelnen an, genauso wie es mit der Gemeinschaft anfängt. Wenn wir das im doppelten Wortsinn zu realisieren vermögen, also einmal zu verstehen und zu begreifen und zum anderen in unserem Tun auch umsetzen, dann werden unsere wirtschaftlichen, politischen sozialen und kulturellen Systeme nicht revolutioniert, sondern transzendiert. Wir brauchen uns keine Gedanken darüber zu machen, was dann möglich sein wird, denn wir können uns sicher sein, dass dann das Richtige geschehen wird.

Dies bedeutet eine strategische Ausrichtung am Paradigma des Lebendigen. Auch zu diesem Thema habe ich mir hier einige Gedanken gemacht. Schauen Sie einmal rein!