Denkkunst

Neue Anforderungen

Alles Lebendige folgt einem universellem Prinzip, dem Prinzip der Selbstorganisation. Man kann sich das so vorstellen: Mein Körper organisiert sich selbst nach ‚seinen‘ Prinzipien, meine Nieren auch, aber spezifischer, differenzierter und aufgabenorientierter. Es ist ein einheitliches Konzept, das immer differenzierter wird. Für meinen Körper bedeutet das, dass es im Kosmos anfängt und sich dann immer weiter differenziert, über das Universum, die Milchstraße, das Sonnensystem, die Erde, Natur, Menschheit, Gesellschaft bis letzten Endes hin zu mir.

Dem Mathematiker Benoît Mandelbrot verdanken wir die Erkenntnis, dass sich die Welt und damit ihre ganze Komplexität letztlich ‚nur‘ aus einfachen Fraktalen ergibt. Das Baumprinzip etwa besteht aus einem leicht schrägen Ast, der sich leicht unregelmäßig verzweigt. Die leichte Unregelmäßigkeit braucht es wohl, damit wir den Baum letztlich schön finden, ist uns doch alles vollkommen Ebenmäßige irgendwie suspekt. Es geht also immer darum, zu Beginn dieses erste Fraktal zu finden und nicht gleich mit komplexen Betrachtungen, Methoden oder Konzepten in die Überlegungen einzusteigen.

Das ist eine neue Anforderung, die sich uns stellt. Wir müssen beispielsweise Prinzipien wie Beweglichkeit, Offenheit und Empathie definieren um zu sehen, ob unsere Gedanken, Konzepte, Strategien und Methoden durch dieses Muster passen. Und meist merkt man auf Anhieb, dass das Runde nicht in das Eckige passt. Dann braucht man nicht erst alles fertig zu machen um dann am Ende doch feststellen zu müssen, dass es einfach nicht funktioniert.

Dabei dürfen wir uns nicht nur auf die offensichtlichen, nicht bestreitbaren praktischen Aspekte fokussieren. Denn in unseren methodischen Konzepten stecken auch oft die Wurzelsünden wie Neid, Gier, Wut und so weiter, aber sie sind eben durch die ‚Notwendigkeit‘ verborgen. ‚Natürlich‘ brauche ich Schuhputzmittel, etwa ein Spray für Nässeschutz. Aber wenn ich dann einmal genau hinschaue, dann stelle ich vielleicht fest, dass ich schon drei habe. Solche Beispiele lassen sich viele finden. Und darum geht es auch, sie zu finden. Damit habe ich ein ganz wesentliches, erstes Fraktal gefunden: Einfachheit. ‚Einfach‘ zu denken hilft uns nicht nur, sondern ist in sehr komplexen Systemen oder Anwendungen unverzichtbar, um die Struktur, das grundlegende Fraktal zu erkennen.

Wollen wir die Dinge richtig händeln, müssen wir nicht nur die Prozesse oder irgendwelche technischen Apparaturen verstehen lernen, sondern in erster Linie uns selbst. Denn jeder Prozess und auch viele technische Fragen beginnen bei uns selbst. Wie organisiere ich mich selbst, um, angenommen, ich habe ein Problem, eben dieses Problem zu lösen? Entscheidend für den Erfolg ist und bleibt die ‚richtige‘ Strategie. Ich habe hier einige Gedanken zu grundsätzlichen ‚Prinzipien‘ zusammen getragen. Vielleicht finden Sie darin die eine oder andere Anregungen.